Foto: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Anatomisches Panoptikum | Trichine | Magenkrankheit

"Trichinen-Präparate"

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Anatomisches Modell im Schaukasten

Objektdaten

InventarnummerDHMD 2010/1174
Datierung1870 - 1890
Konvolut Sammlung Anatomisches Panoptikum
Etikett / Schild
MaterialWachsmischung, Holz, Glas, Metall, Papier, Textil, Kunststoffklebeband
TechnikWachsguss nach Modellform, bemalt
Etikett / Schild
Objektmaß (HxBxT)8,5 x 49,7 x 31 cm

Beteiligte

anatomischer Modelleur Rudolf Weisker
Deutschland, Leipzig

Objektbeschreibung

Schwarzer Schaukasten mit 5 Wachsmodellen zum Thema Trichinen; diese liegen auf schwarzem Samt, der gepolstert erscheint. Unterhalb jedes Objektes ist eine Nummer angebracht: 275 zeigt ein Stück Schweinefleisch mit eingekapselten Muskeltrichinen in natürlicher Größe; 276 zeigt stark vergrößert die Trichinen beim Eindringen in das Muskelgewebe; 277 zeigt nochmals vergrößert die in Kalk eingekapselten Trichinen, die in der Kapsel eingeringelt am Boden liegen. Hierbei sind drei Kapseln für die Einsicht geöffnet, zwei dagegen geschlossen dargestellt. 278 ist ein ausgewachsenes männliches Modell-Trichin, stark vergrößert (die natürliche Größe würde 0,8 bis 1,0 mm betragen), an dem im Längsschnitt an anatomischen Details kleine Papierschildchen mit Nummern angebracht sind (3 und 4): 3. Darmkanal; 4. Samenblase. Die restlichen Schildchen fehlen. Das Modell 279 zeigt ein ausgewachsenes trächtiges Weibchen, ebenfalls stark vergrößert (normalerweise ca. 3,3 mm groß) im Längsschnitt und mit Papierschildchen an den Details: 1. Uterus, 2. und 3. unentwickeltes Eichen in drei verschiedenen Stadien, 4. fehlt, 5. Teilen der Eier, 6. fehlt. Am Kastenboden sind zwei Holzleisten zur leichten Erhöhung des Kastens und eine Schlaufe zum Ziehen des Kastens sowie eine Öse aus Metall zum Hängen des Kastens angebracht.

Zusatzinformationen

Die „Trichinen-Präparate“ sind Teil des Sammlungskonvoluts „Anatomisches Panoptikum“, in dessen Zentrum mehr als 200 Wachsmodelle, Moulagen, Präparate sowie Lehr- und Relieftafeln stehen. Spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Stücke als Teil einer anatomischen Wanderschau auf Jahrmärkten, Volksfesten sowie in Wirtshäusern präsentiert. Anatomische Wanderschauen wurden im 19. Jahrhundert populär. Sie veranschaulichten die neueren medizinisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Zeit und befriedigten gleichzeitig die Schaulust des zahlenden Publikums mit dem Blick in den geöffneten menschlichen Körper.Den Darstellungen von Krankheitsbildern an menschlichen Organen und anderen Körperteilen war dabei eine eigene Abteilung gewidmet. Volkskrankheiten des 19. Jahrhunderts wie Tuberkulose oder Krebs waren dabei besonders häufig vertreten. Trichinen wiederum sind Fadenwürmer, die zum Beispiel beim Schwein vorkommen. Der Erstbeschreiber der Trichinen war 1835 der britische Zoologe Richard Owen, wobei es 1860 dem Mediziner Friedrich Albert Zenker erstmals gelingt, einen Fall von tödlich verlaufener Trichinose auch als solchen zu erkennen. Er endeckt die Trichinenkrankheit bei einem in das Stadtkrankenhaus Dresden-Friedrichstadt aufgenommenen 20-jährigen Dienstmädchen mit Fieber und starken Muskelschmerzen (klinische Diagnose war Typhus abdominalis), bei der er nach dem Tod Muskelgewebe entnommen hatte und mikroskopisch dieses durchsetzt von zahlreichen frischen, nicht gekapselten Rundwürmern bzw. Trichinen sah. In der Arbeitsstätte der Verstorbenen konnte ein trichinöser Schinken eines zuvor geschlachteten Schweines gefunden werden. In Kenntnis der Tragweite seiner Entdeckung schickte er Muskelproben an die beiden namhaften Pathologen Virchow und Leukhard. Daraufhin setzten sich der Medizinalrat in Sachsen und Virchow mit seiner Schrift "Darstellung der Lehre von den Trichinen, mit Rücksicht auf die dadurch gebotenen Vorsichtsmaßregeln" (Berlin 1864) in Berlin zeitnah für eine amtliche Fleischbeschau ein, welche dann durch ein Bundesratsgesetz 1900 für das gesamte Deutsche Reich bindend war.



Letzte Aktualisierung: 09.12.2021 Permalink: http://sammlung.dhmd.digital/object/1fe2b7bf-8f48-41b8-9cd9-79e46e1731bb