Foto: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Baden | Prothese | Oberschenkelprothese | Gewalt | Antisemitismus | Mann

Badeprothese

Ansicht Drucken
Prothese / Oberschenkelprothese / Badeprothese, links

Objektdaten

InventarnummerDHMD 2005/388
Datierung1969.12.
Konvolut Medizin-historische Sammlung der technischen Orthopädie Dittmer
Projekt „Anthropofakte Schnittstelle Mensch“
MaterialGießharz, Kunststoff, Schaumstoff/Gummi, Metall
Objektmaß (HxBxT)85,5 x 17,5 x 31 cm (stehend)
Gewicht3 kg

Beteiligte

Hersteller (Kniegelenk) Otto Bock
Hersteller Firma Bruno Dittmer
Deutschland, Berlin

Objektbeschreibung

Oberschenkel-Badeprothese mit Stumpfeinbettung im Gießharzschaft. Oberschenkelschaft aus Gießharz gegossen. Kniegelenk mit Feststellung (Otto Bock, Art. 3K5), Wadenteil aus Styropor, übergossen und herauslösen des Styroporkerns mittels Lösungsmittel (Azeton).

Zusatzinformationen

Der Täger dieser Prothese wurde aufgrund seines jüdischen Familienhintergrundes als junger Mann von SA-Schlägern in Berlin-Wilmersdorf überfallen und zusammengeschlagen. Er erlitt dabei einen offenen Oberschenkelbruch, der sich infizierte. Eine Amputation war im Juni 1932 unabwendbar, er behielt einen mittellangen Oberschenkelstumpf. Im Anschluss emigrierte er in das Baltikum und kehrte nach vielen Irrwegen nach Berlin zurück. Die Einführung von Kunststoffen nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichte, wasserfeste Badeprothesen herzustellen. Sie erlaubten den Gang zum Wasser und kaschierten die Amputation. Zum ausgiebigen Schwimmen eigneten sich die einfach gearbeiteten Oberschenkelprothesen nicht, da sie im Wasser leicht Auftrieb bekamen. Zudem fiel das Gehen mit ihnen verhältnismäßig schwer, weil das schlichte Kniegelenk keine Funktion zur Schwungphasenunterstützung besaß. Im Sammlungsbestand gibt es zu diesem Vorbesitzer eine weitere Oberschenkelprothese (DHMD 2006/283).



Letzte Aktualisierung: 01.12.2021 Permalink: http://sammlung.dhmd.digital/object/300bacff-6a0a-48ea-806c-3d103e791999