Foto: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Geschlechtskrankheit | Tripper | Penis | Anatomisches Panoptikum

Gonorrhö beim Mann (Eiterartiger Ausfluß)

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Anatomisches Modell im Schaukasten

Objektdaten

InventarnummerDHMD 2011/13
Datierung1890 - 1930
Konvolut Sammlung Anatomisches Panoptikum
Aufkleber140
MaterialWachsmischung, Holz, Glas, Metall, Papier, Echthaar, Textil
TechnikWachsguss nach Modellform, bemalt
Objektmaß (HxBxT)18,4 x 43,2 x 32,4 cm

Beteiligte

Rudolf Pohl (1852 - 1926)
Deutschland, Dresden

Objektbeschreibung

Wachsobjekt in Textileinfassung liegt in schwarzem Schaukasten auf dunklem Boden und zeigt in Frontalsicht einen mit Tripper befallenen Penis und seine Umgebung, d.h. Bauch- und Schenkelansätze. Der rechte Hoden ist stark gerötet; an der Gliedspitze ist eitriger Ausfluss dargestellt. Zwischen den Schenkelansätzen ist ein Nummernaufkleber "140" angebracht. Der Boden ist mit der Holzhaube von unten verschraubt; am Boden sind zwei kleine Holzleisten zur leichten Erhöhung des Kastens befestigt sowie eine Textilschlaufe zum Ziehen des Kastens. Zudem sind die Befestigungsstricke des Wachsobjektes erkennbar.

Zusatzinformationen

Diese Vitrine ist Teil des Sammlungskonvoluts „Anatomisches Panoptikum“, in dessen Zentrum mehr als 200 Wachsmodelle, Moulagen, Präparate sowie Lehr- und Relieftafeln stehen. Spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Stücke als Teil einer anatomischen Wanderschau auf Jahrmärkten, Volksfesten sowie in Wirtshäusern präsentiert. Anatomische Wanderschauen wurden im 19. Jahrhundert populär. Sie veranschaulichten die neueren medizinisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Zeit und befriedigten gleichzeitig die Schaulust des zahlenden Publikums mit dem Blick in den geöffneten menschlichen Körper. Geschlechtskrankheiten waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts tabuisiert und wurden verschwiegen. Oftmals begaben sich Erkrankte nicht in ärztliche Behandlung, zumal diese nicht immer von den Krankenkassen finanziert wurde. In den folgenden Jahren entwickelte sich jedoch eine medizinische sowie politisch-moralische Debatte um die wachsende Verbreitung von Syphilis, Gonorrhö und Weichem Schanker, die zunehmend als Gefahr für den Einzelnen und das Volk im Ganzen betrachtet wurden. Die Schausteller griffen die populäre Thematik in den anatomischen Wachskabinetten auf. Sie richteten Extra-Kabinette ein, in denen sie dem erwachsenen Publikum im Namen der Gesundheitsaufklärung detailreiche Darstellungen männlicher und weiblicher Geschlechtsteile präsentierten. Dabei überwogen Darstellungen der gefürchteten, weil bis zur Entwicklung des arsenhaltigen Chemotherapeutikums Salvarsan nicht heilbaren Syphilis. Aber auch die Gonorrhö (griech. Samenfluss), auch "Tripper" genannt, war verbreitet und eine effektive Therapie nicht bekannt. Während eine Infektion mit dem bakteriellen Erreger Neisseria gonorrhoeae bei einer Frau meist eher unauffällig verläuft, treten beim Mann deutlichere Symptome auf: Ein starker Ausfluss auf dem Samenleiter. Wenn die Erreger vom Infektionsort weiter nach oben wandern, können sie schwere Entzündungen verursachen. Oft sind dann die Nebenhoden betroffen, die − wie am Modell an der rechten Seite − stark geschwollen und gerötet erscheinen.



Letzte Aktualisierung: 17.03.2021 Permalink: http://sammlung.dhmd.digital/object/425a37dd-2641-4724-ae74-e05358ec44cd