Foto: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Anatomisches Panoptikum | Abtreibung | Abtreibungsmethoden

"Präparate mit Darstellung von Abtreibungsversuchen mit tödlichem Ausgang. Durchbohrung der Gebärmutter"

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Anatomisches Modell in Glasvitrine

Objektdaten

InventarnummerDHMD 2011/36
Datierungnach 1890
Serie / ReiheDreiergruppe ""Präparate mit Darstellung von Abtreibungsversuchen mit tödlichem Ausgang."
Konvolut Sammlung Anatomisches Panoptikum
Aufkleber127
Aufkleber322
Etikett / SchildFirmenzeichen von Rudolf Pohl (fragmentarisch)
MaterialWachsmischung, Textil, Holz, Glas, Metall, Papier, Echthaar
TechnikWachsguss nach Modellform, bemalt
Objektmaß (HxBxT)33,5 x 55 x 39 cm

Beteiligte

Rudolf Pohl (1852 - 1926)
Deutschland, Dresden

Objektbeschreibung

Weiblicher Beckendurchschnitt (liegend) in Wachs zur Darstellung der Folgen einer Kindstötung im Mutterleib an der rechten Körperhälfte. Das Objekt befindet sich in einer Glasvitrine mit schwarzen abgerundeten Kanthölzern; es liegt eingebettet auf einem gepolsterten schwarzen Samt, auf dem Reste des Etiketts von Rudolf Pohl links vorne erkennbar sind. Die transversalen Schnittkanten des Körperdetails sind links und rechts mit Stoff eingefasst - rechts am Schenkelansatz, links an der Wirbelsäule über den Beckenansatz hinweg. Das Modell gehört zu einer Serie von insgesamt drei Modellen, die die Abtreibung und ihre Folgen thematisieren. Hierbei zeigt dieses Modell die Folgen eines Abtreibungsversuches mithilfe einer langen Stricknadel. Die Nadel ist so weit vorgedrungen, dass die Gebärmutterwand und das Bauchfell durchstochen sind. Anhand der stark verletzten Gebärmutter ist erkennbar, dass mehrmals zu gestochen wurde und der Fötus zum Teil schon in die Bauchhöhle herausragt - sichtbar ist das rechte Bein bis hin zum Rückenansatz. Gleichzeitig zeigt das Modell auch die daraufhin entstandene Verletzung des Darms, dessen Inhalt in die Bauchhöhle austritt. Zur besseren Übersicht liegen für die drastische Darstellung zwei Ansichtsebenen vor: Der Medianschnitt teilt den Körper mit Blick auf den rechten Schenkelansatz und äußeren Schambereich mit Echthaar und zeigt weiter oben hin die Lage und das Innere von Harnblase, Mastdarm sowie die äußere Form der Gebärmutter im Ganzen, zu dem Wirbelsäulenansatz und Fettgewebe und die Hauptadern im Schnitt oberhalb der Gebärmutter. Die Frontalebene, die sich durch den heruntergeklappten Bauchlappen anatomisch darstellt, zeigt das Bauchfell, die stark pulsierenden Blutgefäße, die Verletzung am Darm und die Einbettung der Gebärmutter zwischen Harnblase und Darm. Die einzelnen Bereiche sind eingefärbt und auf den einzelnen Organen kleine Nummernblättchen aus Papier aufgebracht.

Zusatzinformationen

Diese Vitrine ist Teil des Sammlungskonvoluts „Anatomisches Panoptikum“, in dessen Zentrum mehr als 200 Wachsmodelle, Moulagen, Präparate sowie Lehr- und Relieftafeln stehen. Spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Stücke als Teil einer anatomischen Wanderschau auf Jahrmärkten, Volksfesten sowie in Wirtshäusern präsentiert. Anatomische Wanderschauen wurden im 19. Jahrhundert populär. Sie veranschaulichten die neueren medizinisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Zeit und befriedigten gleichzeitig die Schaulust des zahlenden Publikums mit dem Blick in den geöffneten menschlichen Körper. Aufbau und Struktur des weiblichen Körpers waren dabei von besonderem Interesse. Themen wie Menstruation, Sex oder Schwangerschaft wurden über Wachsmodelle des weiblichen Unterleibs erläutert. In dieser drastischen Darstellung wird ein Abtreibungsversuch über die Einführung einer Stricknadel veranschaulicht. Abtreibungen waren im Deutschen Kaiserreich durch den §218 des Strafgesetzbuchs verboten. Frauen, die nachweislich abgetrieben hatten, und ihren Helfern drohte eine Zuchthausstrafe von bis zu fünf Jahren. Dennoch war die Abtreibungsrate hoch. Das Wachsmodell diente dazu, die Betrachter eindringlich vor den möglicherweise fatalen Folgen einer illegalen, nicht vom Arzt durchgeführten Abtreibung zu warnen.



Letzte Aktualisierung: 17.03.2021 Permalink: https://sammlung.dhmd.digital/object/904fb63a-f37d-4e25-ae08-93f4e489c21e