Foto: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Lungentuberkulose | Lungenkrankheit | Infektionskrankheit | Anatomisches Panoptikum

"Tuberkulose der Lunge", "Eiternde Lungenschwindsucht (Jauchenhöhlen)"

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Anatomisches Modell im Schaukasten

Objektdaten

InventarnummerDHMD 2010/957
Datierung1870 - 1880
Konvolut Sammlung Anatomisches Panoptikum
Etikett / Schild86
handschriftlich"Tuberkulose"
handschriftlich(bisher nicht entzifferbar)
Etikett / Schild
Etikett / Schild87
Etikett / Schild86. Keuhkotuberkuloosi.
Etikett / Schild87. Märkiväkeuhkotauti. Keuhkoissa märkäpesäkkeitä.
Etikett / SchildTuberkulose der Lunge. / Pulmonary tuberculosis. / Tuberculos des puomon / Lungtuberculose / Tуберкулез легких.
Etikett / SchildEiternde Lungenschwindsucht. / Suppurating consumption. / Phtisie pulmonaire suppurante. / Etterende longtuberculose met cavernes / гнойная чахотка легких.
MaterialWachsmischung, Holz, Glas, Papier, Textil, Metall, Kunststoffklebeband
TechnikWachsguss nach Modellform, bemalt
Objektmaß (HxBxT)12,7 x 50,9 x 35,8 cm

Beteiligte

Werkstatt anatomischer Lehrmittel Emil Kotschi
Leipzig

Objektbeschreibung

Zwei Wachsmodelle zur Lungentuberkulose im schwarzen Schaukasten. Das linke Modell zeigt einen Lungenflügel mit angegriffenem Lungengewebe. Das rechte Modell widmet sich den sogenannten "Jauchenhöhlen", die mit kleinen Papierschildchen (A) gekennzeichnet sind. Hier ist ebenfalls, wie beim linken Modell, der Lungenflügel für die Darstellung aufgeschnitten. Beide Modelle liegen auf einem mit Samt bekleideten Boden. Jeweils unter den Modellen befinden sich Papierschilder mit den Nummern "86" und "87". Die Schilder erscheinen ursprünglich. Kastenboden und Kastenhaube sind an den Seiten mit Metallschrauben verbunden. Notizen mit Bleistift auf der Unterseite des Kastens (bisher nicht entzifferbar).

Zusatzinformationen

Der Schaukasten ist Teil des Sammlungskonvoluts „Anatomisches Panoptikum“, in dessen Zentrum mehr als 200 Wachsmodelle, Moulagen, Präparate sowie Lehr- und Relieftafeln stehen. Spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Stücke als Teil einer anatomischen Wanderschau auf Jahrmärkten, Volksfesten sowie in Wirtshäusern präsentiert. Anatomische Wanderschauen wurden im 19. Jahrhundert populär. Sie veranschaulichten die neueren medizinisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Zeit und befriedigten gleichzeitig die Schaulust des zahlenden Publikums mit dem Blick in den geöffneten menschlichen Körper. Den Darstellungen von Krankheitsbildern an menschlichen Organen und anderen Körperteilen war dabei eine eigene Abteilung gewidmet. Volkskrankheiten des 19. Jahrhunderts wie Tuberkulose waren dabei besonders häufig vertreten. An der bakteriellen Infektionskrankheit Tuberkulose starb zu dieser Zeit noch jeder Siebte. Meist war dem Tod eine lange Leidenszeit vorausgegangen, da eine effektive Therapie nicht vorhanden war. Bereits seit der Antike war das Krankheitsbild der Lungentuberkulose bekannt und wurde nach den äußerlich sichtbaren Symptomen wie Blässe und Auszehrung sowie dem chronischen Verlauf als „Phthisis“ (griech. „Verfall“) oder "Schwindsucht" bezeichnet. Sie wurde für erblich bedingt gehalten und galt allgemein nicht als ansteckend – obwohl bereits in der Antike die Vorstellung einer Kontagiosität von Krankheiten existierte. Dass die Tuberkulose grundsätzlich alle Organe befallen kann und ein Zusammenhang mit anderen, damals als eigenständig geltenden Krankheiten wie Skrofulose oder Lupus bestand, wurde zunächst nicht erkannt. 1882 entdeckte der Mediziner Robert Koch, inzwischen Leiter des Berliner Gesundheitsamts, den Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis und wies damit den gemeinsamen Ursprung dieser Krankheitsbilder nach. Eine effektive medikamentöse Behandlung der Tuberkulose blieb jedoch bis zur Einführung von Antibiotika wie Streptomycin, Isoniazid und p-Aminosalicylsäure nach dem Zweiten Weltkrieg ein Desiderat.



Letzte Aktualisierung: 09.12.2021 Permalink: http://sammlung.dhmd.digital/object/90a7c241-f73b-4e30-951e-9f6208e32ac6