Foto: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Safer Sex | Aids (Künstlerplakate) | Aids (Frankreich) | Aids (Tod)

"AIDS, The Killing Bite of Love" Anthon Beekes Bild für den Kampf gegen Aids

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Plakat

Objektdaten

InventarnummerDHMD 2004/365
Datierung1993
Serie / Reihe"Images pour la lutte contre le sida"
Konvolut Internationale Aidsplakatsammlung
TechnikFarbdruck
MaterialPapier
Blattmaß (HxB)84 x 59,3 cm
Spracheenglisch, französisch

Beteiligte

Gestaltung Anthon Beeke (1940 - 2018)
Niederlande
Herstellung Graficaza
Herausgeber ARTIS - Images pour la lutte contre le Sida
Frankreich, Paris

Objektbeschreibung

Das Graffiti von einer Hauswand bildet das Motiv des Safer-Sex-Plakats aus der Serie "Images pour la lutte contre le Sida". Auf feuerrotem Grund im doppelten Sinne, denn der Hintergrund scheint tatsächlich zu brennen, schwarze Russpuren/Asche kennzeichnen den Plakatrand, ist mittig eine knallgelbe Penis-Schlangenfigur abgebildet. An stelle der Eichel sitzt der Kopf der züngelnden Schlange, die das Maul aufgerissen hat und ihre Giftzähne zeigt. Der kurze Schlangenkörper mündet in zwei Hoden. Es ist leicht zu erkennen, dass die Schlange giftig und ein Penis sein soll. Die nebenstehende Textzeile (in harter, dynamischer, enger, leicht schräg stehender Druckschrift) erscheint überflüssig für die Assoziation des Todes bzw. des Todbringenden Sex, bestätigt sie aber. Aids ist der tödliche Biss der Liebe, aus dem Lust bringenden Körper(teil) wird ein todbringender. Es geht also um Safer Sex und um den Tod durch Aids. Schutz beim Geschlechtsverkehr kann eine Infektion verhindern, kann den tödlichen Schlangenbiss abwehren. Obwohl das Plakat drastisch vor Augen führt, dass Sex tödliche Folgen haben kann, macht es keine Angst, diskriminiert nicht, beleidigt nicht oder diszipliniert. Es erscheint als ernst zu nehmende Warnung, nicht als Drohung, vielleicht weil es Hinweis auf einen Umstand ist, der dem Betrachter bereits bewusst ist und den man akzeptieren muss, ohne Diskussion. Und weil Schutz vor dem tödlichen Biss möglich ist.

Iconclass Schlangen http://iconclass.org/rkd/25F42
Bild des Phallus; Phallos http://iconclass.org/rkd/31A2236121
Monster in Gestalt von Schlangen http://iconclass.org/rkd/31A4542

Zusatzinformationen

Die 39 Künstlerplakate, 5 Aufklärungsplakate und das allgemeine Ankündigungsplakat der Ausstellung Images pour la lutte contre le Sida, herausgegeben 1993 von ARTIS, einem Verein, der seit 1989 die Kunst in den Dienst humanitärer Hilfe stellt, unterscheiden sich optisch wie inhaltlich in vielerlei Hinsicht deutlich von den meisten anderen Aidspräventionsplakaten, weil sie stärker an Tabus rütteln und die Themen, die sich an HIV/Aids knüpfen unverblümter darstellen. Trotz Varianten in Zielgruppe, Thema, Abbild und Stil, hat die Serie gemeinsam, dass sich die gestaltenden Künstler darauf relativ frei und auf einer persönlichen Ebene mit Aids auseinandersetzen; sie sind nicht unter strengen präventionstheoretischen Vorgaben von Grafikdesignern und Marketingbüros entwickelt worden. Zielgruppe ist die Allgemeinbevölkerung. Die unterschiedlichen Themen sind oft erst auf den zweiten Blick auszumachen, weil die Künstlerplakate als Teil einer Ausstellung nicht wie im Stadtbild ihre Information sehr schnell weitergeben müssen, sondern nachdenklich machen wollen/sollen. Es gibt 7 Solidaritätsplakate (weniger als im gesamtfranzösischen Durchschnitt), 13 Safer Sex-Plakate, 11 Plakate (und damit verhältnismäßig viel) von denen ein allgemeiner Appell an den verantwortlichen Umgang mit Aids ausgeht, es geht um Liebe und Gesprächsbereitschaft und darum Aids nicht zu ignorieren. 14 Plakate stechen hervor: sie setzen sich, teilweise an ein weiteres Thema gekoppelt, mit dem Tod durch Aids auseinander. Was in der allgemeinen Präventionsarbeit eher vermieden wird, nämlich darauf hinzuweisen, dass eine HIV-Infektion letztlich mit dem Tod endet, können sich die Künstler scheinbar erlauben. Dabei drohen die Plakate nicht mit erhobenem Zeigefinger und verbreiten Angst, sondern thematisieren den Tod eher auf einer abstrakten Ebene. Zu sehen sind nicht Porträts von Aidskranken im Endstadium, sondern Totenschädel, Kerzen, verfaultes Obst, zerstörte Gegenstände und düstere Farben. D.h. wenn der Tod auf Aids-Plakaten zum Thema wird, dann wird er in stark symbolisierter, abstrakter und ästhetisierter Form dargestellt. Trotzdem machen die Plakate betroffen, erreichen den Betrachter eher auf der Gefühlsebene denn über den Verstand. Es werden aber keine heftigen negativen Emotionen ausgelöst. Auch einige Solidaritäts-Plakate und zum Thema Verantwortung sind eher gefühlsbetont. Bei allen Unterschieden in der Gestaltung fällt auf, dass die Künstler nicht zu Aktfotografien greifen und auch das sonst übliche Plakatmotive Kondom ist selten. Ergänzt werden die Künstlerplakate durch das Ausstellungs-Ankündigungsplakat und fünf textintensive Aufklärungsplakate mit Informationen zu Aids, den Übertragungswegen, Schutzmöglichkeiten und dem Krankheitsverlauf. Damit garantiert die Ausstellung, dass sich die Besucher umfassend mit dem Thema HIV/Aids auseinandersetzen können und nicht nur bewegt/betroffen/nachdenklich nach Hause gehen, sondern ihr Verhalten auch tatsächlich ändern. Die Ausstellung "Images pour la lutte contre le Sida" konnte bei dem gemeinnützigen Verein ARTIS bestellt werden und wurde mit großem Erfolg in etwa tausendfacher Auflage in Museen, Gesundheitsämtern, Vereinsheimen, Schulen, Gemeinde- und Kulturzentren, Rathäusern, Firmen und anderen mehr oder weniger öffentlichen Orten gezeigt.



Letzte Aktualisierung: 01.12.2021 Permalink: http://sammlung.dhmd.digital/object/a4fd5cb8-f8dc-4b0f-8e3e-33dbdca71429