Foto: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Hirnhautentzündung | Anatomisches Panoptikum | Gehirnschlag | Schlaganfall

"Gehirn mit Entzündung der Gehirnhäute mit kleinen Knötchen (Tuberkel)", "Der Schlagfluß in der linken Gehirnhäfte in der Stindensubstanz der vorderen Lappen"

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Anatomisches Modell im Schaukasten

Objektdaten

InventarnummerDHMD 2010/1179
Datierungnach 1890
Konvolut Sammlung Anatomisches Panoptikum
Aufkleber13
Aufkleber5
MaterialWachsmischung, Holz, Glas, Papier, Textil, Metall, Kunststoffklebeband
TechnikWachsguss nach Modellform, bemalt
Objektmaß (HxBxT)16,5 x 30,5 x 51,2 cm

Beteiligte

Rudolf Pohl (1852 - 1926)
Deutschland, Dresden

Objektbeschreibung

Schwarzer Schaukasten mit zwei Gehirnmodellen auf dunklem Samt, die übereinander angeordnet sind. Das obere Modell zeigt die linke Gehirnhälfte außen (verkehrt herum montiert) mit Sicht auf das Großhirn, Kleinhirn und Stammhirn. Das Wachs des Großhirns ist im Bereich des Stirnhirns rötlich eingefärbt und angeraut als Krankheitszeichen des Schlaganfalls (historisch Schlagfuß). Das untere Modell zeigt das Gehirn von unten; sichtbar ist die äußere Anatomie mit Groß- und Kleinhirn, Stammhirn. Kleine Papierschildchen mit dem Buchstaben A markieren kleine Knötchen (Tuberkel). Einige Stellen des Gehirns sind als Zeichen einer Gehirnhautentzündung röter gefärbt. Am Kastenboden befinden sich zwei Holzleisten zur leichten Erhöhung des Kastens sowie eine Schlaufe zum Ziehen des Kastens. Des Weiteren sind auf der Rückseite handschriftliche Notizen/Titel zu sehen und angeklebte Knotungen der Befestigungsstricke.

Zusatzinformationen

Der Schaukasten ist Teil des Sammlungskonvoluts „Anatomisches Panoptikum“, in dessen Zentrum mehr als 200 Wachsmodelle, Moulagen, Präparate sowie Lehr- und Relieftafeln stehen. Spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Stücke als Teil einer anatomischen Wanderschau auf Jahrmärkten, Volksfesten sowie in Wirtshäusern präsentiert. Anatomische Wanderschauen wurden im 19. Jahrhundert populär. Sie veranschaulichten die neueren medizinisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Zeit und befriedigten gleichzeitig die Schaulust des zahlenden Publikums mit dem Blick in den geöffneten menschlichen Körper. Den Darstellungen von Krankheitsbildern an menschlichen Organen und anderen Körperteilen war dabei eine eigene Abteilung gewidmet. Volkskrankheiten des 19. Jahrhunderts wie Tuberkulose, Cholera oder Krebs waren dabei besonders häufig vertreten. An der bakteriellen Infektionskrankheit Tuberkulose starb zu dieser Zeit noch jeder Siebte. Meist war dem Tod eine lange Leidenszeit vorausgegangen, da eine effektive Therapie nicht vorhanden war.Bereits seit der Antike war das Krankheitsbild der Lungentuberkulose bekannt und wurde nach den äußerlich sichtbaren Symptomen wie Blässe und Auszehrung sowie dem chronischen Verlauf als „Phthisis“ (griech. „Verfall“) bezeichnet. Sie wurde für erblich bedingt gehalten und galt allgemein nicht als ansteckend – obwohl bereits in der Antike die Vorstellung einer Kontagiosität von Krankheiten existierte. Dass die Tuberkulose grundsätzlich alle Organe befallen kann und ein Zusammenhang mit anderen, damals als eigenständig geltenden Krankheiten wie Skrofulose oder Lupus bestand, wurde zunächst nicht erkannt. 1882 entdeckte der Mediziner Robert Koch, inzwischen Leiter des Berliner Gesundheitsamts, den Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis und wies damit den gemeinsamen Ursprung dieser Krankheitsbilder nach. Eine effektive medikamentöse Behandlung der Tuberkulose blieb jedoch bis zur Einführung von Antibiotika wie Streptomycin, Isoniazid und p-Aminosalicylsäure nach dem Zweiten Weltkrieg ein Desiderat.



Letzte Aktualisierung: 17.03.2021 Permalink: http://sammlung.dhmd.digital/object/d51d0296-50e1-4d68-ac02-68f40df69a0f