Foto: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Anatomisches Panoptikum | Abtreibung | Abtreibungsmethoden

"Präparate mit Darstellung von Abtreibungsversuchen mit tödlichem Ausgang. Verätzung der Gebärmutter und der Scheide"

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Anatomisches Modell in Glasvitrine

Objektdaten

InventarnummerDHMD 2011/35
Datierungnach 1890
Serie / ReiheDreiergruppe "Präparate mit Darstellung von Abtreibungsversuchen mit tödlichem Ausgang."
Konvolut Sammlung Anatomisches Panoptikum
Aufkleber126
TechnikWachsguss nach Modellform, bemalt
Etikett / SchildFirmenzeichen von Rudolf Pohl (fragmentarisch)
MaterialWachsmischung, Textil, Holz, Glas, Metall, Papier, Echthaar
Objektmaß (HxBxT)33,5 x 55 x 39 cm

Beteiligte

Rudolf Pohl (1852 - 1926)
Deutschland, Dresden

Objektbeschreibung

Weiblicher Beckendurchschnitt (liegend) in Wachs zur Darstellung der Folgen einer illegalen Kindstötung im Mutterleib an der rechten Körperhälfte. Das Objekt befindet sich in einer Glasvitrine mit schwarzen abgerundeten Kanthölzern; es liegt eingebettet auf einem gepolsterten schwarzen Samt, auf dem Reste des Etiketts von Rudolf Pohl links vorne erkennbar sind. Die transversalen Schnittkanten des Körperdetails sind links und rechts mit Stoff eingefasst - rechts am Schenkelansatz, links an der Wirbelsäule über den Beckenmuskelansatz hinweg. Das Modell gehört zu einer Serie von insgesamt drei Modellen, die die Abtreibung und ihre Folgen thematisieren. Hierbei zeigt dieses Modell die Folgen nach dem Einspritzen einer scharfen ätzenden Flüssigkeit in die Scheide und den Gebärmutterraum. Das Gift hat die Tötung und Zersetzung des Fötus bewirkt sowie zur Entzündung und Verätzung der Gebärmutter und der Schleimhaut der Scheide geführt. Sichtbar ist an den großflächigen dunkelrot eingefärbten Fehlstellen im Gewebe die darauf folgende sich fortsetzende Blutvergiftung. Zur besseren Übersicht liegen in der Beobachtung des anatomischen Details zwei Schnittebenen vor: Der Medianschnitt teilt den Körper mit Blick auf den rechten Schenkelansatz und äußeren Schambereich mit Echthaar und zeigt weiter oben hin die Lage und das Innere von Harnblase, Gebärmutter und Mastdarm sowie Wirbelsäulenansatz und Fettgewebe; der nach vorne versetzte Frontalschnitt im Bauchraum zeigt fragmentarisch den Verlauf der Bauchmuskulatur vom Schambereich bis zum Bauchnabel. In der vorliegenden Höhle, die sich aus der Entfernung des Bauchfells ergibt, sind die Eileiter, der Eierstock, die "Muttertrompete", das runde "Mutterband" und der abgeschnittene Harnleiter sowie die äußeren Formen von Harnblase und Gebärmutter erkennbar. Die einzelnen Bereiche sind eingefärbt und auf den anatomischen Details kleine Nummernblättchen aus Papier aufgebracht.

Zusatzinformationen

Diese Vitrine ist Teil des Sammlungskonvoluts „Anatomisches Panoptikum“, in dessen Zentrum mehr als 200 Wachsmodelle, Moulagen, Präparate sowie Lehr- und Relieftafeln stehen. Spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Stücke als Teil einer anatomischen Wanderschau auf Jahrmärkten, Volksfesten sowie in Wirtshäusern präsentiert. Anatomische Wanderschauen wurden im 19. Jahrhundert populär. Sie veranschaulichten die neueren medizinisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Zeit und befriedigten gleichzeitig die Schaulust des zahlenden Publikums mit dem Blick in den geöffneten menschlichen Körper. Aufbau und Struktur des weiblichen Körpers waren dabei von besonderem Interesse. Themen wie Menstruation, Sex oder Schwangerschaft wurden über Wachsmodelle des weiblichen Unterleibs erläutert. In dieser drastischen Darstellung wird ein Abtreibungsversuch über eine Uterusspülung veranschaulicht. Abtreibungen waren im Deutschen Kaiserreich durch den §218 des Strafgesetzbuchs verboten. Frauen, die nachweislich abgetrieben hatten, und ihren Helfern drohte eine Zuchthausstrafe von bis zu fünf Jahren. Dennoch war die Abtreibungsrate hoch. Das Wachsmodell diente dazu, die Betrachter eindringlich vor den möglicherweise fatalen Folgen einer illegalen, nicht vom Arzt durchgeführten Abtreibung zu warnen.



Letzte Aktualisierung: 17.03.2021 Permalink: https://sammlung.dhmd.digital/object/ec469aac-a461-4067-9f26-19731ec67251